Netto-Null-Ziele sind heute in vielen Strategien verankert. Doch wie lassen sie sich konkret in Bauvorhaben umsetzen – bevor die Bagger auffahren? Genau dafür haben wir ein eigenes Instrument für Nachhaltigkeitsbewertungen im Tiefbau entwickelt.
Unsere Methodik beurteilt Projekte anhand zentraler Umweltindikatoren wie CO₂-Emissionen und Umweltbelastungspunkten und vergleicht die Projektlösung mit der Amtsvariante, die von den Auftraggebenden vorgegeben wird. Ergänzend werden qualitative Aspekte wie Lärmemissionen, Begrünung und Biodiversität mitberücksichtigt. So wird sichtbar, wie stark Materialwahl, Bauweise und Logistik die Umweltbilanz beeinflussen und wo gezielt angesetzt werden kann.
Ein konkretes Beispiel: Haldenstrasse in Winterthur
In einem Pilotprojekt der Stadt Winterthur wurde unsere Methodik konkret angewendet: Für die Sanierung einer rund 300 Meter langen Quartierstrasse wurde bereits im Vorprojekt systematisch untersucht, wo und wie sich Umweltbelastungen tatsächlich reduzieren lassen, inkl. neuen Blickwinkeln auf Planung, Materialwahl und Bauweise.
Im Auftrag des Tiefbauamts der Stadt Winterthur erarbeiteten wir das Vorprojekt und führten parallel dazu unsere Nachhaltigkeitsbewertung durch. Für Armand Bosonnet, Leiter Projektierung und Realisierung beim Tiefbauamt der Stadt Winterthur, eignet sich die Quartierstrasse besonders gut für diesen Ansatz: «Wir haben die Quartierstrasse bewusst gewählt, weil sie als typisches Vorhaben eine gute Grundlage für eine frühe Nachhaltigkeitsbewertung bietet.»
Die Bewertung zeigt, dass mit gezielten Anpassungen bei Materialwahl, Bauweise und Logistik sich die Umweltbelastungen um bis zu 40 Prozent senken lassen. Zu den wirksamsten Massnahmen gehören Flüssigboden, Betonrohre (Teilstrecke), Recyclingasphalt sowie die Wiederverwendung von Aushubmaterial und Randsteinen.
Wie geht es weiter?
Die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsbewertung werden nun amtsintern geprüft und sollen in die nächste Phase, das Bauprojekt, einfliessen. Die ausführenden Planungsbüros und Unternehmen müssen aufzeigen, welche Massnahmen technisch, wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar sind. Für die Stadt ist dabei zentral, in welchem Umfang die errechnete Reduktion von bis zu 40 Prozent tatsächlich realisiert werden kann.
Nach Abschluss der Bauarbeiten ist eine erneute Bilanzierung vorgesehen: Was wurde umgesetzt, was nicht – und weshalb? Daraus lassen sich konkrete Schlüsse für künftige Projekte ziehen. Auch für uns ist dieser Rückkopplungsprozess wichtig: Wir verstehen Nachhaltigkeitsbewertungen nicht als theoretische Trockenübungen, sondern als Werkzeuge für die Projektpraxis. Pilotprojekte wie dieses helfen, neue Ansätze unter realen Bedingungen zu prüfen und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Unsere Nachhaltigkeitsbewertung für das Vorprojekt der Haldenstrasse und die Resultate daraus haben in den Medien Beachtung gefunden: Der Landbote am 10.04.2026; das Pusch-Magazin am 20.04.2026 LINK; Der Bauingenieur, 30.4.2026 (LINK)