Für den Campus Irchel wurde ein Arealentwässerungskonzept zur Regenwasserbewirtschaftung erarbeitet. Es zeigt auf, wie Regenwasser künftig naturnäher, klimaangepasster und ökologisch sinnvoll bewirtschaftet werden kann. Statt es rasch abzuleiten, folgt das Konzept dem Schwammstadt-Prinzip: Regenwasser wird möglichst vor Ort zurückgehalten, versickert, genutzt und verzögert abgegeben. Ziel ist ein lokaler Wasserkreislauf mit Rückhalt, Verdunstung und Nutzung. Worum geht es dabei im Detail? Ein Interview mit unserem Schwammstadt-Experten Simon Matter:
Warum ist das Konzept gerade jetzt wichtig?
Der Campus wird in den nächsten Jahren stark wachsen. Dafür ist ein Gestaltungsplan erforderlich – das Entwässerungskonzept ist ein Bestandteil. Die Universität und das Hochbauamt der Stadt Zürich sind an uns herangetreten... Das Ziel ist es, das Gelände als Schwammstadt zu entwickeln.
Die Ausgangslage ist anspruchsvoll: Das Gebiet der Universität Irchel gilt geologisch nicht als sickerfähig und der Grundwasserspiegel kann bis nahe an die Geländeoberfläche ansteigen, weshalb die Gebäude gegen unterirdisch eindringendes Wasser zu schützen sind. Dennoch soll Wasser oberirdisch zurückgehalten und versickert werden, um nach dem Schwammstadtprinzip die Vegetation zu stärken, das Mikroklima zu verbessern und die Biodiversität zu fördern.
Aktuell stehen diverse Ausbauvorhaben an mit grossem Fussabdruck (Neubau Portal UZH, Landschaftsplanung Irchel Mitte Nord etc.). Es ist zentral, dass das Konzept bereits jetzt verankert wird, damit die Entwässerungs- und Umgebungsplanung nach Schwammstadtprinzip erfolgen kann. Die Ausbauprojekte dienten dem Konzept auch gerade als Stresstest während der Bearbeitung, der die Knacknüsse und mögliche Umgänge damit aufzeigte.
Welche Vorhaben beinhaltet das Konzept?
Das Konzept basiert auf drei Stufen: In der ersten Stufe wird Wasser möglichst direkt am Entstehungsort zurückgehalten. Dazu gehören Gründächer, Retentionsdächer, sickerfähige Beläge und begrünte Flächen. Auf Dächern und Platzflächen – auch auf unterbauten Bereichen – wird Wasser gespeichert und gedrosselt abgegeben.
In der zweiten Stufe wird das Wasser in dezentrale, naturnah gestaltete Retentions- und Versickerungsflächen geleitet. Diese fügen sich in das Landschaftsbild ein, machen Wasser für Pflanzen und Verdunstung verfügbar und erfüllen die Anforderungen des Gewässerschutzes. Nicht versickertes Wasser wird oberflächlich in die Gewässer abgeführt, insbesondere in den Spitalerbach und den Strickhofbach.
In der dritten Stufe übernehmen wechselfeuchte Flächen zusammen mit den Gewässern zusätzlichen Rückhalt bei Starkregenereignissen. So entsteht ein System, das Wasser möglichst lange auf dem Areal hält und Abflussspitzen reduziert.
Erfüllt das Konzept die Vorgaben?
Ja, der Oberflächenabfluss liegt bei rund 4 % und damit deutlich unter den Vorgaben. Auch die Einleitmengen bewegen sich im zulässigen Bereich. Das Konzept funktioniert ökologisch und hydraulisch. Gleichzeitig bietet es ausreichend Entwicklungsspielraum für die Universität und die wirtschaftliche Umsetzbarkeit wurde berücksichtigt.
Was ist wichtig für den Erfolg der Umsetzung?
Das Konzept muss über viele Einzelprojekte hinweg konsequent angewendet werden. Gerade an einem Standort wie dem Irchel, an dem technische Anforderungen, Denkmalschutz, Gartendenkmalpflege, Landschaftsqualitäten und Nutzungsdruck zusammenwirken, ist diese Abstimmung zentral. Deshalb ist ein Monitoring vorgesehen, das die Umsetzung fachlich begleitet und die Qualität langfristig sichert.
Wie geht es weiter?
Das Konzept wird im Juni offiziell verabschiedet. Parallel dazu begleiten wir die Universität bereits bei den Vor- und Bauprojekten des Portals und Irchel Mitte-Nord. Unser Ziel ist, dass langfristig das Schwammstadt-Prinzip so verankert ist, dass es selbstverständlich in die Planung einfliesst.
Apropos: Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen zudem in weitere Grossprojekte ein, unter anderem in der Stadt Zürich.